Monthly Archives: November 2010

Gentests in der Krebsforschung

Krebs – kaum eine andere Krankheit verbreitet so viel Angst und Schrecken und ist so wenig einschätzbar wie Krebs. Nach den Herz- und Kreislauferkrankungen ist Krebs die häufigste Todesursache weltweit. Die Forschung macht es in der heutigen Zeit zwar schon möglich, einige Krebsarten zu heilen, aber nach Ansicht vieler Wissenschaftler steht die Krebsforschung immer noch am Anfang. Die heimtückische Krankheit kann jeden Menschen befallen, ganz gleich welchen Geschlechts und Alters. Die Genforschung ist eine Möglichkeit, die Krankheit zu erforschen und vielleicht sogar eines Tages ganz zu stoppen.

Ein sehr großes Problem bei der Erforschung von Krebs war bisher das Wachstum von Tumoren zu stoppen. Gelingt das mit Hilfe von Medikamenten, dann wäre ein weiterer wichtiger Schritt in der Krebsforschung getan. Möglich wird das vielleicht mit der Erforschung der menschlichen Gene. Mit Hilfe von Genanalysen können Mediziner mittlerweile herauszufinden, welche Mutationen, also Veränderungen und Wachstum für Krebstumore typisch sind und welche Medikamente das Wachstum effektiv und auch auf Dauer stoppen können.

Einsatz in der Krebsforschung

Vor rund zwei Jahren gelang es Wissenschaftlern zum ersten Mal, das Gen einer Krebszelle genauer zu untersuchen. Diese Krebszelle hatte bereits Mutationen in sich, die mit sehr großer Wahrscheinlichkeit die entscheidende Wucherung in den einzelnen Zellen ausgelöst hat. Im Rahmen der „Personal Genomes Conference“ in Cold Spring Harbor, im US-Bundesstaat New York, haben Wissenschaftler jetzt Studien vorgestellt, die eindeutig beweisen, wie aus solchen Krebs-Genen sehr individuelle und auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Krebsbehandlungen durchgeführt werden können. Richard Wilson, ein bekannter Genetiker, der an der Washington University School of Medicine forscht und lehrt und der auch die Studien leitete, ist der Meinung, dass es schon jetzt an der Zeit ist, die so genannten „Voll-Gen Sequenzierung als Werkzeug der Diagnose“ mit ein zu beziehen. Nur so kann man auch ungewöhnliche Krebsarten erkennen, verstehen, erforschen und letztendlich auch heilen.

Es ist bekannt, wie Krebs entsteht: durch die Mutationen von gesunden Zellen, die sich Krebszellen verwandeln. Bei der genetischen Veränderung spielt jedoch das Verhalten der Tumorzellen auf unterschiedliche Medikamente eine große Rolle. Mit speziellen Verfahren kann die Wissenschaft diese Mutationen heute genauer unter die Lupe nehmen und in kurzer Zeit die drei Milliarden Basenpaare der menschlichen DANN, in gesunde und in Krebszellen unterscheiden.

Die künstliche Befruchtung und der Gentest

Kaum ein anderes Thema wird in der Gesellschaft, in der Politik und auch in der Wissenschaft so heftig und kontrovers diskutiert, wie der Gentest im Zusammenhang mit einer künstlichen Befruchtung.

Viele Paare bleiben ungewollt kinderlos und der einzige Ausweg, um doch noch ein leibliches Kind zu bekommen, ist die künstliche Befruchtung. Bei der so genannten „In Vitro“ Methode, werden weibliche Eizellen aus der Gebärmutter entnommen und im Reagenzglas mit männlichen Spermien befruchtet. Entwickelt sich daraus ein Embryo, dann wird dieser in die Gebärmutter eingepflanzt und das Kind wird ganz normal ausgetragen. Die moderne Genforschung macht es aber möglich, dass die Embryonen schon im Vorfeld auf einen Gendefekt untersucht werden. Findet sich ein Gendefekt wie zum Beispiel das Down Syndrom, dann könnte dieser Embryo aussortiert und vernichtet werden.

Dass diese Möglichkeit der Gentechnik umstritten ist, kann man sich leicht vorstellen. Kritiker sind der Ansicht, dass auf diese Weise so genannte „Designer Babys“ entstehen. Ganz von der Hand zu weisen ist diese Befürchtung leider nicht. Rein theoretisch könnte sich das künftige Elternpaar sein Wunschbaby aussuchen und nichts würde mehr dem Zufall oder in diesem Fall, der Natur überlassen. Diese Gentests, die sich auf Krankheiten oder Defekte beschränken, könnten nach Belieben auch auf andere Gebiete ausgeweitet werden. Wer vielleicht ein Kind mit blauen Augen und mit blonden Haaren haben will, der könnte diese Wünsche bei einer künstlichen Befruchtung angeben und die Wissenschaftler und Ärzte würden gezielt danach suchen und einen Embryo mit diesen Merkmalen in die Gebärmutter verpflanzen.

Die so genannte Präimplantationsdiagnostik, wie die Suche nach Gendefekten bei einem Embryo auch genannt wird, ist laut eines Urteils des Bundesgerichtshofs nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen möglich und damit auch erlaubt. Viele Ärzte sind allerdings der Ansicht, dass die Präimplantationsdiagnostik generell zugelassen werden soll, damit Paare die Möglichkeit haben, schon vorher zu entscheiden, ob sie unter Umständen ein krankes oder behindertes Kind haben wollen oder nicht. Da keine Einigung gefunden werden kann, wird sich in absehbarer Zeit die Politik, also der Bundestag damit befassen müssen. Man kann allerdings davon ausgehen, dass die Politiker der CDU/CSU einem geplanten Gesetz zur Erweiterung der Gentests bei künstlicher Befruchtung, nicht zustimmen werden.